27.07.2020 Unsere Technik

Die richtige Internet-Verbindung für stabile Live-Streams

Die richtige Internet-Verbindung ist das Fundament für Live-Streams auf professionellem Niveau.

In vorherigen Blog-Artikeln haben wir uns schon ausführlich mit der Konzeption von Online-Events und der Monetarisierung von Live-Streams beschäftigt. Heute soll es um das Fundament gehen, auf dem ein Online-Event steht. Die richtige Internet-Verbindung für hochwertige und stabile Live-Streams.

Die Internet-Verbindung muss einige Voraussetzungen erfüllen, um für einen störungsfreien und qualitativ hochwertigen Live-Stream geeignet zu sein.

Die vier wichtigsten Kriterien für eine geeignete Internet-Verbindung:

  • die Bandbreite im Upload (also alle ausgehenden Daten)
  • die Bandbreite im Download (also alle eingehenden Daten)
  • Stabilität
  • Synchronizität

Die Bandbreite

In der Werbung wird für Internet-Verbindungen meistens nur eine Kennzahl angegeben: die maximale Bandbreite im Download. Da heißt es dann oft “Surfen mit 50 MBit/s” oder ähnlich. Diese Angaben sind jedoch wenig aussagekräftig. Denn das “bis” meint eine theoretisch erreichbare Maximal-Geschwindigkeit. Im Durchschnitt kann die Verbindung also deutlich langsamer sein. Denn bei bestimmten Verbindungsarten, wie z. B. LTE, 5G oder Kabel-Anschlüssen, teilt man sich die verfügbare Bandbreite stets mit anderen Nutzern. Das heißt, wenn gerade viele Teilnehmer den gleichen Knotenpunkt nutzen, sinkt die verfügbare Bandbreite für den Einzelnen oft dramatisch.

Was ebenfalls fast nie erwähnt wird, ist, dass sich die Angabe nur auf den Download bezieht. Also die Daten, die man aus dem Internet empfängt. Für die Daten, die man allerdings ins Internet sendet, wird die Bandbreite häufig einfach gar nicht angegeben. Das liegt daran, dass diese meistens viel geringer ist.

Beispiel:

Eine verbreitete Bezeichnung in der Werbung ist z. B. so etwas wie “DSL 16.000”. Mit einem solchen Anschluss kann man Daten mit bis zu 16 MBit/s herunterladen. Der Upload, der verschwiegen wird, liegt dagegen nur bei 1 – 2 MBit/s.

Darin liegt die Gefahr. Denn wenn man einen Live-Stream nur empfangen möchte, reicht so ein “DSL 16.000″Anschluss aus. Möchte man dagegen aber einen Live-Stream senden, scheitert man an dem zu geringen Upload. Die folgende Tabelle zeigt, mit welchem Festnetz Internet-Anschluss man welchen Stream senden kann.

DownloadUpload gesendeter Stream
AnschlussMBit/sMBit/smax. Auflösung
DSL 16000162SD (360p)
VDSL 25000255HD (720p)
SAT 25000256HD (720p)
Kabel 1001006Full HD (1080p)
VDSL 500005010Full HD (1080p)
VDSL 25025050Ultra HD / 4K (2160p)
Kabel 50050050Ultra HD / 4K (2160p)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Verbindung mit weniger als 5 MBit/s im Upload für Live-Streaming ungeeignet ist. Denn eine Auflösung von 720p stellt das Minimum für einen zeitgemäßen Live-Stream dar.

Die Stabilität

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Stabilität der Verbindung. Denn eine schwankende Bandbreite oder gar Verbindungsaussetzer führen zu einer schlechten Bild- und Tonqualität. Die Zuschauer erleben das dann in Form von Bild- und Ton-Asynchronität, einem unscharfen Bild oder sogar Unterbrechungen des gesamten Streams.

Ungeeignete Verbindungen für Live-Streaming

Ungeeignet für live gestreamte Online-Events sind daher alle Verbindungen, auf deren Qualität man keinen Einfluss hat. Das betrifft vor allem geteilte Verbindungen wie LTE und Kabel-Anschlüsse. Das heimtückische dabei ist, dass diese Anschlüsse bei einem Test möglicherweise performant und stabil funktionieren. Zum Zeitpunkt der Produktion Ihres Live-Streams kann es aber plötzlich ganz anders aussehen. Bei Hybrid-Events, bei denen Gäste anwesend sind und parallel ein Video-Stream bereitgestellt wird, kann es sogar sein, dass die Gäste vor Ort den LTE-Mast überlasten. Bei Kabel-Verbindung kann es passieren, dass umliegende Haushalte am gleichen Verteiler das Internet plötzlich stärker beanspruchen und somit die Bandbreite plötzlich sinkt.

Auch Loadbalancing oder Hybrid-Anschlüsse, also eine Bündelung mehrerer DSL-Anschlüsse zu einem Signal, sind für Streaming-Anwendungen nicht ohne Weiteres zu empfehlen, da diese die Datenpakete nicht synchron übertragen.

Ungeeignet für Live-Streaming sind folgende Anschlussarten:

  • einfaches LTE
  • Kabel-Anschlüsse
  • DSL-Anschlüsse mit Loadbalancing oder Hybrid-Anschlüsse

Geeignete Verbindungen für Live-Streaming

Für Online-Events geeignet sind Verbindungen, die unabhängig von äußeren Einflüssen gleichbleibend stabil bleiben. Das sind z. B. DSL-Anschlüsse, Satelliten-Verbindungen oder sogenannte Multi-LTE Verbindungen mit Bonding. Die letztere Variante erklären wir weiter unten noch etwas genauer.

DSL-Verbindungen sind, im Gegensatz zu Kabel-Anschlüssen, gleichbleibend in Ihrer Performance und in den allermeisten Fällen stabil und zuverlässig. Das Gleiche gilt für Satelliten-Verbindungen. Diese bauen eine dedizierte Verbindung zu einem Satelliten auf und funktionieren somit, anders als LTE-Verbindungen, auch an Orten mit großen Menschenmassen, also der klassischen Situation bei Events.

Wie funktioniert Multi-LTE mit Bonding?

Eine besondere und gleichzeitig sehr praktische Verbindungsart ist Multi-LTE mit Bonding. Hierbei werden parallele Verbindungen über unterschiedliche LTE- und 5G-Provider und Sende-Frequenzen aufgebaut und zu einem einzigen Signal gebündelt. Auf diesem Weg werden etwaige Schwankungen bei den einzelnen LTE-Verbindungen ausgeglichen und es wird die für einen Live-Stream notwendige Signal-Stabilität erreicht.

Besonders wichtig ist hierbei das sogenannte “Bonding”. Beim normalen Surfen oder Downloaden findet immer eine Kontrolle statt, ob alle Datenpakete vollständig und in der richtigen Reihenfolge angekommen sind. Diese Überprüfung der Datenpakete nennt man “TCP” und sie wird z. B. bei Downloads und anderen zeitlich unkritischen Diensten eingesetzt, um sicherzustellen, dass die jeweils empfangene Datei vollständig ist. Bei Live-Streams würde das zu lange dauern und zu viel Bandbreite benötigen, weswegen diese Prüfung weggelassen wird. Diese Verbindung ohne Prüfung nennt man “UDP”. Läuft ein Stream nun gleichzeitig über mehrere LTE-Verbindungen, muss daher ein spezieller Dienst im Hintergrund dafür sorgen, dass die Datenpakete in der richtigen Reihenfolge beim Empfänger ankommen. Und das erledigt das sogenannte Bonding. Ohne Bonding würde die Verteilung auf mehrere Einzelverbindungen, durch die fehlende Synchronizität, nicht funktionieren.

Auch Richtfunkstrecken sollen hier noch erwähnt werden. Mit Richtfunk kann, unter bestimmten Voraussetzungen, eine Verbindung mit hoher Bandbreite (bis zu 1000 MBit/s in Up- und Download) bereitgestellt werden.  Diese Verbindungsart ist preisintensiver als die anderen Lösungen und eignet sich daher am ehesten, wenn alle anderen Verbindungsarten nicht realisierbar sind oder für das Event insgesamt eine sehr hohe Bandbreite benötigt wird.

Empfehlenswert für Live-Streaming sind folgende Anschlussarten:

  • DSL-Anschlüsse ab “VDSL 25000”
  • SAT-Verbindungen
  • Multi LTE mit Bonding
  • Richtfunk

Wenn der Live-Stream der Kern des Events ist, lohnt es sich auch neben der Haupt-Verbindung noch eine Backup-Verbindung bereitzustellen. Denn selbst bei der stabilsten Verbindung gibt es, wie bei allen technischen Systemen, keine 100 % Sicherheit gegen Störungen oder Ausfälle. Mit der richtigen Planung lässt sich jedoch eine Ausfallsicherheit jenseits der 99,9 % herstellen.

 

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Max Pohl
Marketing & Digitale Dienste
max.pohl@eventnet.de

 

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